Zum Ferienbeginn (Sachsen) verbrachte ein Team des Vereins „Perspektiven für Kinder auf dem Westbalkan“ in den Ländern Albanien und Kosovo, um den Ärmsten in dieser Region sowohl Geld- als auch Sachspenden zu übergeben. Während es für die Vereinsmitglieder Michael Eichhorn, Max Schöpe und Ralph Rüdiger zum 15-mal bzw. 18-mal in den Westbalkan ging, war es für Marion Braune aus Lichtenstein (Sachsen) die erste Reise in diese Länder.
Am 26. Juni flogen wir von Leipzig nach Tirana, um am darauffolgenden Tag das Kinderzentrum „Rreze Dielli“ in Peza zu besuchen. Wir wurden dabei wieder mit einem liebevollen und leidenschaftlichen Kulturprogramm der Kinder empfangen. Wir sahen in den Augen und der Körpersprache der Kinder, wie sehr sie sich auf ein Wiedersehen mit uns gefreut haben.
Danach überreichten wir jedem Kind ein persönliches Geschenk und einen Spendenscheck an die Leitung des Kinderzentrums. Damit kann für die Kinder der Region, die zu den ärmsten gehören, ein Sommercamp realisiert werden. Somit werden Freizeitmöglichkeiten, Mittagessen und auch Therapiebehandlungen etc. ermöglicht.

Das albanische Kinderzentrum und seine Tätigkeiten werden nicht vom Staat unterstützt. Die Leiterin des Zentrums betonte erneut, dass ohne unsere Hilfen seit 2019 das Kinderzentrum nicht mehr existieren würde und die Kinder deutlich weniger gefördert werden könnten. Ebenso beeindruckt uns auch die Einbindung der notdürftigen Eltern dieser Kinder in das Programm von „Rreze Dielli“. Die Entwicklungserfolge der Kinder, bedingt durch die Programme des Kinderzentrums, konnten wir deutlich sehen.
Die Dankbarkeit der Kinder und natürlich die strahlenden Kinderaugen machten unseren Aufenthalt im Kinderzentrum wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Danach verteilten wir in der Nähe des Kinderzentrums bei glühender Hitze an extrem arme Familien Lebensmittel- und Hygieneartikel, die immer noch unter dem schweren Erdbeben vom November 2019 zu leiden haben. Sie leben immer noch unter katastrophalen Bedingungen in kaputten Häusern, Containern oder sogar in Zelten. Diese Familien waren für unsere Hilfen und vor allem dafür, dass sie in Europa nicht vergessen sind, sehr dankbar. Insgesamt spendeten wir 20 Lebensmittelpakete. Eine Familie erhält unabhängig von der Anzahl der Kinder eine monatliche Sozialhilfe von maximal 100 € !!!

In Fushe Kosove, nahe der kosovarischen Hauptstadt Pristina, verteilten wir an zwei folgenden Tagen 22 mal Brennholz zum Kochen und 30 Lebensmittelpakete an sehr arme kinderreiche Familien. Dabei verteilten wir an die Kinder Obst (Äpfel, Orangen und Bananen).

Wir kauften auch für sehr arme Familien, die Paten in Deutschland haben, Lebensmittel, Hygieneartikel, Bekleidung für Kinder und Spielzeug ein.
Des Weiteren überreichten wir in der Siedlung Plemetin, die ca. eine halbe Autostunde von Fushe Kosove entfernt liegt, 10 Lebensmittelpakete an bedürftigte Familien. Erschütternd für uns, wie die Familien, vor allem Frauen und Kinder, um die begehrten Lebensmittelpakete „gekämpft“ haben. Jedoch verlief die Verteilung gut ab und die Menschen waren für unsere Hilfen sehr dankbar.

Obwohl wir seit vielen Jahren die Armut dort kennen, können wir uns trotzdem weiterhin nicht mit dieser sozialen Katastrophe abfinden. Wir wissen, dass in Deutschland ca. 3 Millionen Kinder in Armut leben, aber diese ist niemals mit der auf den Westbalkanstaaten vergleichbar. Es ist immer wieder erschütternd, unter welchen elenden Bedingungen die Familien leben müssen. Die Dankbarkeit der Kinder, die sich in emotionalen Umarmungen ausdrückt, trifft uns jedes Mal mitten ins Herz. Auch nach all den Projektreisen: An diesen Zustand können und dürfen wir uns nicht gewöhnen und ihn als normal ansehen. Dass Menschen hier so leben müssen, widerspricht jeglichen Menschenrechten, die vermeintlich in Europa gelten. Es ist für uns eine Schande!
Wir führten mit dem SOS Kinderdorf Kosovo ein Informationsgespräch. Einerseits wurde uns über die Verteilung unserer Spenden in der Siedlung von Fushe Kosove dokumentiert. Andererseits erfuhren wir von den leitenden Mitarbeitern vom SOS Kinderdorf, dass die vor zwei Jahren von der EU verhängten Sanktionen viele Programme für soziale Zwecke gestrichen werden mussten. Des Weiteren gingen zwei Hilfsorganisationen pleite. Pro Jahr fehlen somit dem Kosovo 575 Mio. € für Sozialarbeiten, Hilfen für Straßenkinder, Sommercamp etc. Die EU begründet scheinbar diese Sanktionen mit dem Konflikt im Nordkosovo.
Desto wichtiger ist die Hilfe unseres Vereins, der aufgrund der Spenden vor allem aus Leipzig und Umgebung in der Lage ist, 29 Familien mit 110 Kindern und 15 Jugendlichen auf dem Gebiet der Gesundheit und Bildung zu unterstützen. Mit der vertraglichen Kooperation mit dem SOS Kinderdorf können wir diese Unterstützung um ein Jahr verlängern.
Mit unserer finanziellen Hilfe können auch Lern-, Koch- und Robotikkurse für Kinder sowie Vorträge für deren Eltern (Verhütung, Brustkrebs, Zwangsverheiratung, frühkindliche Erziehung, …) realisiert werden. Die Mitarbeiter vom SOS Kinderdorf betonten die Zusammenarbeit mit Schulen und den Kampf gegen die Diskriminierung.
Erfreulich, dass die Programme für die Familien nach 3 bis 5 Jahren positiv anschlagen.

Am letzten Projekttag im Kosovo führten wir ein ausführliches Gespräch mit dem Koordinator vom Down-Syndrom Zentrum in Pristina. Wir konnten uns von der unermüdlichen und einfühlsamen Arbeit des Zentrums mit den Kindern überzeugen. Im Kosovo gibt es fünf derartige Zentren mit insgesamt 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 1000 Kinder mit Down Syndrom wurden durch die Center insgesamt schon betreut, aktuell befinden sich 300 Kinder in Programm. Auch im jugendlichen Alter bleibt eine weiterführende Begleitung und Unterstützung unter der Einbindung der Eltern für die Kinder bestehen.
Die Finanzierung der therapeutischen Maßnahmen für die behinderten Menschen, vor allem Kinder, erfolgt hauptsächlich aus dem Ausland (ca. 60%), vor allem durch Hilfsorganisationen.
Jedoch wirken sich die EU-Sanktionen negativ auf die Unterstützung für die Kinder aus. Auch die bereits beantragten 50 000 € fallen durch die Streichung der Entwicklungsbehörde USAID weg. Dadurch ist eine konkrete Planung der Finanzierung nicht mehr möglich. Auch die Mitarbeiter vom Down-Syndrom-Zentrum berichteten uns, dass manche Partnerorganisationen im Kosovo durch die Streichung der Mittel weggebrochen sind.
Desto größer war die Freude bei den Mitarbeiterinnen und dem Koordinator, als wir ihnen eine kleine Geldspende überreicht haben.

Wir hätten viel mehr Geldspenden, Lebensmittel und Brennholz in Fushe Kosove sowie Lebensmittelpakete an albanische Familien, austeilen können, aber die Spenden und unser Zeitbudget reichten nicht aus.
Wir danken allen Spendern, die die Umsetzung unserer Projekte ermöglicht haben und somit mitgeholfen haben, das Leid der Menschen, vor allem der Kinder, etwas zu mildern.
Besonders die vielen strahlenden Kinderaugen sind in all den Jahren unserer Hilfe vor Ort Momente der Freude und geben uns die Kraft sowie den Willen auch in Zukunft die Familien und deren Kinder zu unterstützen und ihnen zu helfen.
Nochmals vielen Dank für die humanitäre Hilfe.
Die Kosten für die Projektreise (Flüge, Mietauto, Übernachtungen, weitere Spesen) wurden von den Mitgliedern der Reise privat getragen. Somit konnten die Spenden wieder hundertprozentig übergeben werden.

Hinweis: Die Veröffentlichung der Bilder wurde uns erlaubt!