Den Ferienbeginn verbrachte diesmal ein Tandem des Vereins „Perspektiven für Kinder auf dem Westbalkan“ in den Ländern Kosovo und Albanien, um den Ärmsten in dieser Region Geld- und Sachspenden zu übergeben. Während es für das Vereinsmitglied Ralph Rüdiger zum 22-mal in den Westbalkan ging, war es für Kay Kamieth die zweite Tour.

Wir flogen am 2. Juli von Berlin nach Pristina, um am darauffolgenden Tag mit dem SOS Kinderdorf Kosovo ein Informationsgespräch zu führen. Wir erfuhren dort von den leitenden Mitarbeitern, dass aufgrund der vor drei Jahren von der EU verhängten Sanktionen viele Programme für soziale Zwecke gestrichen werden mussten. Pro Jahr fehlten somit dem Kosovo 575 Mio. € für soziale Arbeit, Hilfen für Straßenkinder, Sommercamp etc. Die EU begründete diese Sanktionen mit dem Konflikt im Nordkosovo. Das SOS Kinderdorf hofft, dass diese Sanktionen im Herbst aufgehoben werden. Jedoch werden im kommenden Jahr Mittel für derartige soziale Projekte vom Land Kosovo gekürzt. Desto wichtiger ist die Hilfe des Vereins, der mittels Spenden vor allem aus Leipzig und Umgebung weiterhin 29 Familien mit 110 Kindern und 15 Jugendlichen auf dem Gebiet der Gesundheit und Bildung unterstützen kann. Die vertragliche Kooperation mit dem SOS Kinderdorf wurde soeben um ein Jahr verlängert.
Die MitarbeiterInnen vom SOS Kinderdorf erklärten ihre Bereitschaft, schulpflichtige Kinder, die nicht die Schule besuchen, beim Lesen, Schreiben, Rechnen u.a.m. in ihren Räumlichkeiten zu unterstützen. Wir informierten daraufhin in der Siedlung die betroffenen Eltern und Kinder, dass sie unverzüglich den Kontakt zum SOS Kinderdorf aufnehmen sollten. Prozentual gehen heute deutlich mehr schulpflichtige Kinder und Jugendliche in die Schule als vor wenigen Jahren.

Danach und am darauffolgenden Tag verteilten wir in der Siedlung von Fushe Kosove 27 mal Brennholz zum Kochen und 40 Lebensmittelpakete an sehr arme kinderreiche Familien.
Wir kauften auch für sehr arme Familien, die Paten in Deutschland haben, Lebensmittel, Hygieneartikel, Bekleidung für Kinder und Spielzeug ein.
Erschütternd war für uns, wie die Familien besonders um die begehrten Lebensmittelpakete „gekämpft“ haben. Im Großen und Ganzen verlief die Verteilung jedoch gut und die Menschen waren für unsere Hilfen sehr dankbar.
Dank geht auch an zwei Bewohner der Siedlung, die uns bei der Vorbereitung und Durchführung der Spendenverteilungen unterstützt haben. Die Beiden wurden vor mehr als einem Jahrzehnt aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben und können gut deutsch. Somit hatten wir keine Verständigungsprobleme vor Ort.

Am letzten Projekttag (Samstag) im Kosovo führten wir ein ausführliches Gespräch mit einer Koordinatorin vom Down Syndrom Zentrum in Pristina. Wir konnten uns dabei über die unermüdliche und einfühlsame Arbeit des Zentrums mit den Kindern informieren und die Einrichtung besichtigen. Im Kosovo gibt es fünf derartige Zentren.
54 Kinder mit Down Syndrom werden durch das Zentrum in Pristina unter Einbindung der Eltern betreut.
Die Finanzierung der therapeutischen Maßnahmen für die behinderten Menschen, vor allem Kinder, erfolgt durch Spenden, welche hauptsächlich aus dem Ausland – vor allem von Hilfsorganisationen – kommen. Jedoch wirken sich die EU-Sanktionen negativ auf die Unterstützung für die Kinder aus. Auch bereits beantragte Projekte wurden durch die EU nicht genehmigt. Desto größer war die Freude über unsere kleine Geldspende.
Es besteht beim Down-Syndrom-Zentrum die große Hoffnung, dass in absehbarer Zeit von der Regierung ein Inklusionsgesetz verabschiedet wird, damit Menschen mit geistiger und psychischer Behinderung sowie mit Down-Syndrom gleich behandelt werden können.
Jedes Kind mit Down-Syndrom bekommt vom Staat 120 € monatlich, ab dem 18. Lebensjahr 100 € als Pension. Lt. Gesetz müssen Betriebe (50 : 1 Regel) behinderte Menschen einstellen. Jedoch umgehen viele private Betriebe und die öffentliche Verwaltung diese Regelung und entrichten lieber eine Strafgebühr an den Staat.

Anschließend ging es mit dem Bus von Pristina nach Tirana, um am darauffolgenden Tag das Kinderzentrum „Rreze Dielli“ in Peza zu besuchen. Dabei wurden wir wieder mit einem liebevollen Kulturprogramm der Kinder empfangen. Wir sahen in den Augen und an der Körpersprache der Kinder, wie sehr sie sich auf ein Wiedersehen mit uns gefreut haben.
Danach überreichten wir jedem Kind ein persönliches Geschenk und an die Einrichtung einen Spendenscheck. Damit kann für die Kinder der Region, die zu den ärmsten gehören, ein Sommercamp realisiert werden. Somit werden Freizeitmöglichkeiten, Mittagessen und auch Therapiebehandlungen etc. ermöglicht. Das albanische Kinderzentrum und seine Aktivitäten werden nicht vom Staat unterstützt. Die Leiterin des Zentrums betonte erneut, dass ohne unsere Hilfen seit 2019 das Kinderzentrum nicht mehr existieren würde und die Kinder deutlich weniger gefördert werden könnten.
Die Dankbarkeit der Kinder machte unseren Aufenthalt im Kinderzentrum wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Danach verteilten wir – bei glühender Hitze – im albanischen Bergland an extrem arme Familien Lebensmittel und Hygieneartikel. Die Menschen dort leiden noch immer unter den Folgen des schweren Erdbebens vom November 2019. Sie leben z. T. unter katastrophalen Bedingungen in kaputten Häusern oder Containern. Diese Familien waren für unsere Hilfen und vor allem dafür, dass sie in Europa nicht vergessen sind, sehr dankbar.

Obwohl wir seit vielen Jahren die Armut dort kennen, können wir uns trotzdem weiterhin nicht mit dieser sozialen Katastrophe abfinden. Wir wissen, dass in Deutschland ca. 2,2 Millionen Kinder in Armut leben, aber diese ist mit der auf den Westbalkanstaaten nicht vergleichbar. Es ist immer wieder erschütternd, unter welchen elenden Bedingungen die Familien leben müssen. Auch nach all den Projektreisen: An diesen Zustand können und dürfen wir uns nicht gewöhnen und werden ihn nicht als normal ansehen. Auch wenn unsere Hilfe nur ein kleiner Topfen ist. Dass Menschen hier so leben müssen, widerspricht jeglichen Menschenrechten, die vermeintlich in Europa gelten. Es ist für uns eine Schande!

Wir danken allen SpenderInnen, die die Umsetzung unserer Projekte ermöglichen und somit mithelfen, das Leid der Menschen, vor allem der Kinder, etwas zu mildern. Besonders die vielen strahlenden Kinderaugen sind in all den Jahren unserer Hilfe vor Ort Momente der Freude und geben uns die Kraft sowie den Willen auch in Zukunft die Familien und deren Kinder zu unterstützen und ihnen zu helfen.
Unser Dank geht auch an den Stadtverband und die Stadtratsfraktion der Linken, die unsere Arbeit erneut finanziell unterstützten.
Insgesamt konnten wir – als kleiner Verein – während der diesjährigen Sommerreise 22.200 € an Spenden ausgeben. Unsere Reise (Unterkunft, Transfer und weitere Spesen) wurde erneut vollständig privat von uns übernommen, so dass die in Deutschland eingegangenen Spenden zu 100 % bedürftigen Menschen, vor allem Kindern, zugutekamen.

Hinweis: Die Veröffentlichung der Bilder wurde uns erlaubt!
Geldspenden für die Dezemberfahrt können auf folgendes Konto überwiesen werden:
Kontoinhaber: Perspektiven für Kinder auf dem Westbalkan e.V.
IBAN: DEDE26 8605 5592 1090 0884 57
(Sparkasse Leipzig)
Verwendungszweck: Hilfen für Kinder in Albanien/Kosovo
Wir danken Ihnen im Voraus für die humanitäre Unterstützung.